Der Kreuzweg der Merdinger Barockkirche St. Remigius

Anmerkung: Bei diesem im März 2008 erschienenen Beitrag waren die Bilder nicht mehr zu sehen, da der Bildhoster seinen Dienst eingestellt hatte. Zum Karfreitag 2016 habe ich die Bilder wieder ergänzt und den Beitrag neu veröffentlicht.

Eine der Kostbarkeiten der Merdinger Barockkirche St. Remigius ist der Kreuzweg. Nach dem Kirchenführer von Prof. Hermann Brommer wurden diese spätbarock-klassizistischen Bilder des Freiburger Malers Simon Göser (1735 – 1816) im Jahre 1780 aufgehängt. Bei seiner Kirchenführung am Tag des Denkmals 2007 hat Brommer erzählt, wie er die kostbaren Bilder aus irgendeinem Archiv gezogen hat. Irgendwann waren sie wohl durch einen modernen Kreuzweg ersetzt worden – mittlerweile haben sie ihren angestammten Platz wieder eingenommen.

Dankenswerterweise hat Hubert Selinger das Fotografieren der 14 Stationen übernommen.

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1. Jesus wird zum Tode verurteilt.

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2. Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern.

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3. Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz.

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4. Jesus begegnet seiner Mutter.

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5. Simon von Kyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen.

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6. Veronika reicht Jesus das Schweißtuch.

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7. Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz.

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8. Jesus begegnet den weinenden Frauen.

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9. Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz.

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10. Jesus wird seiner Kleider beraubt.

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11. Jesus wird ans Kreuz geschlagen.

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12. Jesus stirbt am Kreuz.

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13. Jesus wird vom Kreuz genommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt.

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14. Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt.

9 Gedanken zu „Der Kreuzweg der Merdinger Barockkirche St. Remigius

  1. Eindrucksvolle Bilder. Vielen Dank. Als Kind habe ich oft den Kreuzweg in der Pfarrkirche St. Martinus in Nettesheim betrachtet. Ich weiß nicht, welche künstlerische Qualität sie haben, denn ich habe sie seither nicht mehr gesehen. Doch dein Kreuzwegzyklus erinnert mich daran. Und ich ahne auch noch die innere Bewegung, die die Bilder früher in mir wachriefen, namentlich Karfreitag.

    Dir frohe Ostertage,
    Jules

  2. Nach längerem Suchen ist der Zettel nun doch zum Vorschein gekommen: Hermann Brommer (1926-2012) hat vor vielen Jahren handschriftliche Notizen angefertigt, die er teilweise für seine beiden frühen Aufsätze in der Zeitschrift „Schau-ins-Land“ (Bd. 80/81, Jg. 1962/63), die dem aus Merdingen stammenden Barockbildhauer Johann Baptist Sellinger (1714-1779) gewidmet waren, verwendet hat. Auf S. 68 seines ersten Aufsatzes kommt der Forscher auf Anton Binz zu sprechen, der 1714 in Gündlingen geboren wurde, 1738 eine Tochter des Merdinger Vogtes Anton Weber heiratete und 1768 in Merdingen starb. In diesem Zusammenhang verweist Brommer sodann auf Gervasius Binz (1723-1783), einen Bruder Antons, der Pfarrer und Dekan des Landkapitels Breisach war. Was Brommer nicht publizierte, was sich aber stattdessen in seinen Notizen findet: Dieser Gervasius Binz weihte 1780 den Merdinger Kreuzweg ein. Und, was Brommer vermutlich gar nicht wusste: 1766 wird der Freiburger Student Johann Georg Binz (geb. 1748) von der Universitätsleitung eindringlich verhört. Eine Gruppe von Studenten hatte nachts in der „City“ musiziert und öffentliches Ärgernis hervorgerufen. Der Umkircher Pfarrer Gervasius Binz lieferte seinem Neffen Johann Georg Binz jedoch ein handfestes Alibi, und der junge Studiosus kam ungeschoren davon. Wenige Jahre später taucht Johann Georg Binz in Wien auf – schon wieder ein Migrant! – lässt sich in der Kaiserstadt als Buchhändler nieder und wird – typisch Binz, finde ich – dort sehr wohlhabend. 1791 übernimmt er kurz nach Mozarts Tod die Schätzung des Büchernachlasses des wohl grössten musikalischen Genies, das je gelebt hat – sehr wahrscheinlich in der Sterbewohnung des Komponisten! Und es kommt noch dicker: Johann Georgs Urenkelin Katharina („Kathie“) Schratt (1853-1940) wird die „Maitresse“ des habsburgischen Kaisers Franz Joseph I. (1830-1916), wobei die Affäre ausgerechnet durch die Kaiserin Elisabeth („Sisi“, 1837-1898) eingefädelt und aktiv gefördert wird. Billig war’s nicht: „Katherl“ hat aus dem „alten Kaiser“ nach heutigem Wert vermutlich mehr als 25 Millionen Euro herausgeleiert! – Übrigens sind zahlreiche Merdinger direkte Nachfahren der Binz. Dass eine entfernte Verwandte in der Wiener Hofburg ein- und ausging, weiss wohl auch kein Mensch mehr…

  3. Wen’s interessiert: „Katherls“ Grossneffe, der 1996 verstorbene Peter Schratt, war – wie Katharina Schratt auch – ein begnadeter und auch sehr bekannter österreichischer Schauspieler. Er spielt z. B. in dem Hitchcock-Remake „The Lady vanishes“ (dt.: „Eine Dame verschwindet“) einen deutschen Offizier. – – – Aber, wenn ich noch etwas fragen dürfte, was zur künstlerischen Ausstattung der Merdinger Kirche zurückführt: Weiss jemand zufällig, ob es dort noch „die schönen Altarleuchter aus Messing“ gibt, wie mir Hermann Brommer im Februar 2012 schrieb, die von „Holzleuchtern“ („Pseudobarock aus dem Grödner Tal“) „verdrängt“ worden sind? Ich habe nämlich im vergangenen Herbst mehr oder weniger zufällig eine interessante Stiftungsnotiz zu diesen Messingleuchtern gefunden. Könnte man diese Stücke nicht einmal abbilden? Ich wäre für jeden Hinweis sehr dankbar!

    1. Hallo Herr Bärmann, da werde ich mich mal drum kümmern. Im Kopf habe ich nur die aus Holz, kann mich aber täuschen.

      1. Lieber Herr Prucker, vielen Dank für Ihre Bereitschaft, sich dieser interessanten Angelegenheit anzunehmen! – Ich habe auf den neueren Fotos, die sich hier im „Journal“ finden, Metallleuchter gesehen, daher auch meine spontane Erinnerung an die brieflichen Hinweise von Hermann Brommer. Übrigens ist in der alten Stiftungsnotiz von genau vier Messinglichtstöcken die Rede. Brommer schrieb mir darüber hinaus noch: „Die Leuchter haben eine eingravierte Stifterinschrift. Glockengiesserarbeit, gedreht!“ – Er wusste selbst nicht mehr, ob sie (2012) noch vorhanden waren.

        1. Metall ja, aber Messing? Wenn, dann versilbert. Ich frage nach. Danke für die tollen Hinweise. Die Binz-Story habe ich mal aus den Kommentaren nach „vorne gezogen“.

  4. Meine Informationen sind eindeutig: Brommer erwähnt in seinem Brief aus dem Jahr 2012 zweifelsfrei Messing, und auch die alte Notiz kennt nur Messing als Substanz. Nun könnte es sich ja immerhin so verhalten, dass Brommer seinerseits nur die alte Notiz kannte und „auswertete“, aber der Forscher liefert Informationen, die sich nicht in der Notiz finden. Falls die Leuchter noch existieren, müssten sie eine Inschrift enthalten, die Anastasia Weis als Stifterin nennen. Ich vermute, dass die Objekte im Pfarrhaus stehen, weiss es letztlich aber natürlich nicht.

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