Gerteisens aus aller Welt

Heute darf ich einen Gastbeitrag von Werner und Anita Gerteisen veröffentlichen. Was zunächst einfach wie eine schöne Geschichte aus privater Ahnenforschung klingt (und natürlich auch ist) bekommt zum Ende eine ganz aktuelle Wendung. Mit einem Appell, den ich nur unterschreiben kann. Vielen Dank dafür.

Am Sonntag den 18.10.2015 fand das 1. Gerteisen-Treffen in Merdingen statt. Viele Gerteisen und solche die von Gerteisen abstammen, in und um Merdingen, kamen im Engelhof zu Kaffee und Kuchen und einem regen Austausch zusammen. Es ist erstaunlich und hoch interessant wie viele Menschen von einem Vorfahr abstammen. Angestoßen durch eine Einladung per Facebook zum 1. Gerteisen-Treffen am 5.10.2013 in Owensboro, Kentucky haben wir uns intensiv mit dem Gerteisen-Familienstammbaum beschäftigt. Wir wollten natürlich wissen ob wir mit den Gerteisens in Amerika irgendwie verwandt sind. Dank der Daten der Amerikaner und der Aufzeichnungen unseres Vaters Wilhelm Gerteisen der mit Hilfe von Herrn Brommer die Grundlagen für unsere erneuten Forschungen bildeten, stießen wir auf den gemeinsamen Vorfahr und die vielen Verzweigungen. Dies war dann die Grundlage um über den großen Teich zu reisen und unsere Verwandtschaft in Kentucky zu treffen. Es waren interessante und herzliche Begegnungen in Owensboro und schöne Tage in USA. Durch die intensive Forschung in die Breite gehend können wir nun auch die Verwandtschaft mit den Gardeisens aus Frankreich belegen. Die Brüder Jean und Daniel Gardeisen mit ihrem Vater Philippe hatten im Jahre 1994 zu einer Zusammenkunft in Merdingen mit den hier lebenden Gerteisen und allen Gardeisen aus Frankreich eingeladen. Der Vorfahr Johann Georg Gerteisen wanderte nach Afrika genauer nach Algerien aus. Seit dieser Zeit heißen diese Gerteisen nun Gardeisen. Sie mussten Algerien aus politischen Gründen in den 60er Jahren verlassen und kamen nach Frankreich zurück.
Leider konnten weder aus Amerika noch aus Frankreich Gerteisens zum Treffen kommen. Aber bemerkenswert ist es schon, dass überall auf der Welt nach den Wurzeln der Herkunft geforscht wird. So konnten wir nun eine Woche nach unserer Zusammenkunft einen neuen Stammesbruder kennenlernen aus der Frankreich-Verwandtschaft.
Unser Vater hat immer gesagt „mit denen sind wir nicht verwandt“ aber inzwischen haben wir die Verknüpfungen zu dem selben Stammvater Ulrich Gerteisen ca.1635.
Viel Hintergrundwissen über die verwandtschaftlichen Verzweigungen und Auswanderer-Geschichten haben wir durch Herrn Michael Bärmann erfahren. Unsere Neugierde wurde geweckt. So besuchten wir kürzlich das Auswandererhaus Ballinstadt in Hamburg und das Auswanderermuseum in Bremerhaven. Dieser Besuch zeigte uns eindringlich die Situationen die die Menschen im 19. und 20. Jahrhundert dazu brachten ihre Heimat zu verlassen und in einem fremden Land dessen Sprache man noch nicht einmal konnte, neu zu beginnen.
Die heutige Situation mit den Flüchtlingsströmen ist also nichts Neues. Es liegt an uns allen diese Herausforderungen gemeinsam zu lösen.
Es grüßen Werner und Anita Gerteisen.

5 Gedanken zu „Gerteisens aus aller Welt

  1. Ein Gerteisen-„Findling“ im „Werk“ der Merdinger Kirchturmsuhr:
    Heute ist zu meiner grossen Überraschung bei der Durchsicht älterer Unterlagen ein Blatt Papier zum Vorschein gekommen, das mir Hermann Brommer vor langer Zeit zugesandt hat. Es handelt sich hierbei u.a. um Notizen zur Uhr des Merdinger Kirchturms, die der Forscher in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts angefertigt hat. Brommer zitiert – vermutlich aufgrund einer Autopsie – die Inschrift „im Werk“. Sie gibt ungewöhnlich präzise Auskunft über den Stifter der Turmuhr und lautet folgendermassen: „Im Jahre des Heils 1935 stiftete diese Uhr für die Pfarrkirche Merdingen zur Ehre Gottes und zum Nutzen der Pfarrangehörigen / Seraphin Gerteisen / lediger Landwirt dahier – in seinem 80. Lebensjahr – zugleich im Gedenken an seine + Eltern Stanislaus Gerteisen u. Stephanie geb. Schnurr und seine + Geschwister Josepha und Friedrich. Möge die Uhr den Einwohnern Merdingens viele Jahre nur glückliche, segensreiche Stunden schlagen. / Das walte Gott!“

    1. Jenseits der seriösen Forschungsanstrengungen noch eine volkskundlich-folkloristische Anmerkung: Im alemannischen Raum kennt man das Phänomen des „Sich Verzeigens“. Selbst in der Deutschschweiz raunen sich die wackeren Alemannenherzen an trüben Sonntagnachmittagen zu, diese oder jene Person, die längst tot sei, habe sich in Zeit und Raum in irgendeiner Form physisch manifestiert. – Auch unserem Stifter Seraphin wurde dies wiederholt nachgesagt: Immer dann, wenn die Uhr am Kirchturm ihren Geist aufgab oder einfach eine katzenfalsche Zeit anzeigte, hiess es, der „Tschäffin“ habe sich „verzeigt“. Hinter diesem Phantom verbirgt sich natürlich kein Geringerer als unser Wohltäter des Jahres 1935. – Da meine eigene Uhr (Batteriebetrieb!) gerade flackert, breche ich an dieser lieber Stelle ab….

  2. Hermann Brommer (1926-2012) hat im „Mitteilungsblatt der Gemeinde Merdingen“ vom 30.8.1990 (= Nr. 35, Jahrgang 22) einen zwei Seiten umfassenden Beitrag „Zur Gemeinde- und Pfarrgeschichte: Ludwig Schnurr (1750-1812). Ein Deutschordenspriester aus Merdingen“ veröffentlicht, der mir kürzlich wieder untergekommen ist. Auch in diesem mit beeindruckender Gründlichkeit (wen wundert’s?) geschriebenen Artikel, der Leben und Wirken des zuletzt in Merdingen wirkenden Geistlichen ausführlich würdigt, erscheint ein prominenter Gerteisen: Vogt Anton Gerteisen, der 1724 geboren wurde und 1797 starb. 1743 heiratete Gerteisen – er selbst ist als Pfauenwirt nachweisbar – die Sonnenwirtstochter Anna Selinger (1721-1796), eine Cousine des Bildhauers Johann Baptist Sellinger (1714-1779). Während der Amtszeit Anton Gerteisens (1763-1785) baute der Breisacher Uhrmachermeister Alois Feszler im Jahr 1775 eine neue Turmuhr ein, bei deren Montage sein Schweizer Geselle J. O. Meyer vom Gerüst stürzte und den Tod fand. An der „Geschichte“ der Merdinger Kirchtumsuhren haben somit mehrere Gerteisens sozusagen „Anteil“.

  3. Der Laie staunt darüber, was einem alles entgegenkommt, sobald man die alten Akten zur Hand nimmt und einfach einmal in aller Ruhe liest, was vor rund fünf Jahrhunderten beispielsweise die in der Ortenau gelegene Abtei Schuttern, der bekanntlich bereits im Mittelalter u.a. die Kirche und das Dorf (!) Wippertskirch gehörte, in Merdingen ihr Eigen nannte. Einem im Jahr 1528 gefertigten Besitzverzeichnis entnehme ich beispielsweise, das Schuttern in jener Zeit vor Ort ein Lehen zu vergeben hatte, das als „Baumgarten“ bezeichnet wurde. Träger dieses recht umfangreichen Lehens war Jörg/Görg o.ä. Gartheissen/Garthissen o.ä. (Die Schreibweisen der Namen variieren.) Für einen jährlichen Zins von drei Saum Wein „managte“ Georg Gerteisen einen aus moderner Sicht nahezu unübersichtlich zerstreuten lokalen Besitz, für dessen Inventarisierung die Mönche von Schuttern mehrere Seiten benötigten. Und, was ich noch wesentlich interessanter finde: Rund eineinhalb Jahrhunderte vor dem Einsetzen der frühesten Kirchenbuchaufzeichnungen begegnen uns hier (wie auch anderswo) heute noch bekannte Familiennamen. Wer mag jener „Cepferin (Severin?) Schopp“ gewesen sein, der als Mitglied des Merdinger „Gerichts“ bei der Entstehung des Besitzverzeichnisses Pate gestanden hatte? „Verkündet“ und „vorgelesen“ wurde das Ganze dann „vff dem Kirchhof“. Wüsste man, wo damals die Kirche stand, liesse sich der Ort dieser Zeremonie genau bestimmen…

  4. Da diese Frage eigentlich immer im Raum steht, sobald die grundherrschaftlichen Verhältnisse vor Ort ins Blickfeld geraten: Ja, ein Blumenecker wird auch 1528 ausdrücklich erwähnt, und zwar „Junkher“ Michael von Blumeneck. Michael wird in der besagten Akte als „obervogt“ der „herrschafft“ Merdingen bezeichnet. Und, um gleich die Anschlussfrage zu beantworten: Ja, dieser Blumenecker war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein direkter Nachfahre (Enkel) einer jener vier Blumeneck-Brüder, die im Jahr 1401 Johann Schlegele, den Abt des Schwarzwaldklosters Sankt Märgen in der Nähe des Dorfes ins Jenseits beförderten.

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