Applaus für Kai Weyand

Ein Gastbeitrag von Michael Schaefer

Im Haus am Stockbrunnen, im kleinen und feinen Dörfchen Merdingen, stellte der Autor Kai Weyand auf Einladung des Merdinger Kunstforums seinen neuen Roman „Applaus für Bronikowski“ vor. Es war so eine Art Vorglüh-Premiere, ein Probelauf vor der „richtigen“ Buchvorstellung in der Literatur-Metropole Freiburg. Die Termine gibt es hier.

Kai Weyand, den ich noch nicht kannte, entpuppte sich als angenehm stiller, freundlicher Mensch, und die Passagen seines Romans, die er ausgesucht hatte, waren es nicht minder: freundlich und still. Ich weiß, das klingt komisch, aber seinen Beschreibungen merkt man an, dass er geschwiegen hat, um sie schreiben zu können. Und: Nicht nur hatten sie etwas tief Menschenfreundliches und Achtsames, sie waren gleichzeitig auch lustig (okay, ich gebe zu, man lacht auch sehr bereitwillig bei so etwas Förmlichem wie einer Lesung).

Eine ausführliche Passage schildert, wie der angehende Bestattungshelfer Nies, genannt NC (sprich: „Enn-Ssie“), mit einer Toten im Abschiedsraum stumme Zwiesprache hält und ihr auf eine tief empathische und achtsame Weise begegnet, die sich den meisten Menschen – leider – erst durch den Tod erschließt. Hier spielt sicher eine Menge Autobiographisches aus Weyands diversen Jobs hinein, zu dem er aber auf Nachfrage – ebenfalls freundlich – die Auskunft verweigerte: „Damit wäre ich nicht glücklich, und Sie auch nicht.“ Klar ist aber, dass er schweigen und zuhören gelernt hat dabei.

Ich finde das bemerkenswert. Genervt von gewalttätigen Zynikern und Nihilisten, die mit der Attitüde des mit allen Wassern gewaschenen Intellektuellen ihre eigene Verletzlichkeit (oder Denkfaulheit) abwehren, tut es mir einfach wohl, einem Menschen zu begegnen, der seine Mitmenschen nicht diffamiert. Wahrscheinlich ist es der Humor, der den entscheidenden Unterschied macht und bei allem Zorn, den der Protagonist manchmal auf seine Mitmenschen hegt (wenn sie zum Beispiel im Kino Kebab essen) das Ganze wieder ins Schweben bringt.

Auch zärtliche verbale Flirts mit einer Bäckerei-Fachverkäuferin oder Begegnungen mit Hunden, die nur drei Beine, aber gleichzeitig dreisilbige Namen haben, bringen eine zärtliche Komik in Weyands Erzählen. Soll nun aber niemand Enn-Sssie für ein Weichei halten, er spinnt ganz schön und kann, wie gesagt, auch wütend werden. Mehr wird nicht verraten, selber lesen macht Spaß. Ich nehme eine Nussecke, Frau März! Oder was können Sie mir empfehlen?

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